Contango & Backwardation im Energiemarkt – Was das für Ihren Strompreis bedeutet

Wer sich intensiver mit dem Energiemarkt beschäftigt, stößt irgendwann auf zwei Fachbegriffe aus dem Rohstoffhandel: Contango und Backwardation. Beide beschreiben die Form der sogenannten Forward-Kurve – also die Frage, ob die zukünftigen Strompreise am Terminmarkt höher oder niedriger liegen als der aktuelle Spot-Preis. Für Privatkunden klingt das akademisch, hat aber ganz konkrete Auswirkungen auf die Frage: Lohnt sich gerade ein Fixpreis-Tarif oder eher ein Spot-Tarif? In diesem Ratgeber erklären wir das Prinzip verständlich und zeigen, was die aktuelle Marktlage bedeutet.

Die Forward-Kurve – eine Linie, die die Zukunft zeigt

Am Energiemarkt gibt es nicht nur den heutigen Preis. Energiehändler und Lieferanten können Strommengen bereits Monate oder Jahre im Voraus kaufen oder verkaufen. Die Preise für diese Lieferungen werden am Terminmarkt (EEX für europäischen Strom) gehandelt. Alle zukünftigen Monats-, Quartals- und Jahreslieferungen zusammen ergeben eine Kurve: die Forward-Kurve. Sie zeigt, zu welchem Preis heute Strom für die kommenden Liefermonate abgesichert werden kann.

Contango und Backwardation – Forward-Kurve am EnergiemarktForward-Kurve: Was der Markt für die Zukunft erwartetContangoZukunft teurer als heuteheutein 3 J.BackwardationZukunft günstiger als heuteheutein 3 J.Spot-Kunden folgen automatisch der aktuellen Marktbewegung – Fixpreiskunden nicht.
Aktuell zeigt die Forward-Kurve am europäischen Strommarkt langfristig nach unten (Backwardation).

Contango – die Zukunft ist teurer als heute

Man spricht von Contango, wenn die Forward-Kurve ansteigt – also wenn zukünftige Liefermengen teurer gehandelt werden als die aktuelle Spot-Lieferung. Das war lange Zeit der „Normalzustand" am Energiemarkt. Der Aufschlag zwischen Spot und Future hat mehrere Gründe:

  • Risikoprämie: Wer heute einen Preis für 2027 festzurrt, übernimmt das Risiko, dass die Marktlage sich ändert. Für diese Unsicherheit verlangen Verkäufer einen Aufschlag.
  • Gewinnmargen der Händler: Energiehandelshäuser, Banken und Versorger kassieren für die Absicherung Gebühren, die in die Forward-Preise eingepreist werden.
  • Lagerhaltungskosten: Bei anderen Rohstoffen spielen Lagerkosten eine Rolle. Strom lässt sich zwar nicht lagern, aber die Kapazitäten für Reserveleistung und Netzinfrastruktur werden ebenfalls im Forward-Preis berücksichtigt.

Für Fixpreiskunden bedeutet Contango systematische Mehrkosten: Der Lieferant kauft die Energie zum teureren Forward-Preis ein und reicht diesen plus Marge an den Kunden weiter. Im Contango-Markt zahlt ein Fixpreiskunde damit strukturell mehr als der aktuelle Spot-Preis hergeben würde.

Backwardation – die Zukunft ist günstiger als heute

Der umgekehrte Fall heißt Backwardation: Die Forward-Kurve fällt. Zukünftige Liefermengen werden niedriger gehandelt als der aktuelle Spot-Preis. Der Markt signalisiert damit eine Erwartung sinkender Preise in der Zukunft.

Hier ist eine wichtige Unterscheidung nötig, die oft untergeht – es gibt nämlich zwei sehr unterschiedliche Arten von Backwardation:

Krisen-Backwardation (Beispiel 2021/22)

Während der Energiekrise 2021/22 sprang der Spot-Preis innerhalb weniger Wochen sprunghaft nach oben – getrieben von Gaspreis-Schocks, dem Krieg in der Ukraine und Versorgungsängsten. Die Futures für die Folgejahre konnten diesen Sprung nicht in voller Höhe nachvollziehen, weil der Markt davon ausging, dass sich die Lage normalisieren würde. Ergebnis: Eine kurzfristige, krisengetriebene Backwardation. Für Spot-Kunden war diese Phase unangenehm, weil die kurzfristigen Preise hoch waren. Für Fixpreiskunden war sie zwar besser kalkulierbar, aber auch dort stiegen die Vertragspreise massiv – nur eben zeitversetzt.

Trend-Backwardation (heutige Marktlage)

Die aktuelle Marktlage am europäischen Stromterminmarkt zeigt eine Trend-Backwardation: Die Forward-Kurve fällt langfristig ab, weil der Markt strukturelle Gründe für sinkende Preise erwartet. Dahinter stehen mehrere Entwicklungen: der fortschreitende Ausbau erneuerbarer Energien, die verbesserte Versorgungssicherheit nach der Gaskrise, die zunehmende Flexibilisierung der Nachfrage (Demand Response, Smart Grids) und das Ziel Österreichs, bis 2030 bilanziell 100 % erneuerbaren Strom zu erreichen.

In einer Trend-Backwardation „folgt" der Spot-Preis dem Abwärtstrend der Forward-Kurve. Fixpreiskunden dagegen zahlen bis zum Vertragsende den höheren alten Preis, auch wenn der Spot längst tiefer steht.

Was das konkret für Sie bedeutet

Die grundlegende Logik ist einfach zu merken:

  • In Contango zahlen Fixpreiskunden tendenziell mehr als der Marktpreis hergeben würde. Spot-Kunden profitieren vom günstigeren Spot-Preis, tragen aber kurzfristige Preis-Spitzen mit.
  • In Trend-Backwardation folgen Spot-Kunden der fallenden Forward-Kurve. Fixpreiskunden sitzen auf ihrem alten, höheren Preis fest.
  • In Krisen-Backwardation sind kurzfristige Spot-Kosten hoch. In diesen Phasen sollten Sie bereit sein, Verbrauch zu verschieben und mit höheren Wochenrechnungen zu rechnen.

Der Doppelvorteil eines Spot-Tarifs

Ein Spot-Tarif wie FlexPower Neo bietet Ihnen zwei Hebel gleichzeitig, die ein Fixpreis-Tarif nicht hat. Der erste ist der eben beschriebene Forward-Kurven-Effekt: Wenn der Markt einen sinkenden Trend einpreist, folgt Ihr Preis diesem Trend automatisch – ohne dass Sie auf den nächsten Vertragsabschluss warten müssen.

Der zweite Hebel ist Ihr eigenes Verbrauchsverhalten. Mit einem Spot-Tarif und einer IME-Aktivierung Ihres Smart Meters können Sie Großverbraucher wie Wallbox, Wärmepumpe oder Geschirrspüler gezielt in günstige Stunden verschieben. Fixpreiskunden haben diesen Hebel nicht – egal wann sie Strom verbrauchen, der Cent-Betrag ist immer gleich. Details dazu finden Sie im Ratgeber zu Smart Meter und IME.

Was wir ausdrücklich nicht versprechen

Marktphasen wechseln. Es gibt keine Garantie, dass die aktuelle Trend-Backwardation auf unbestimmte Zeit anhält. Politische Krisen, geopolitische Spannungen oder unerwartete Marktschocks können das Bild jederzeit drehen. Was wir sagen können: Die strukturellen Treiber – Erneuerbaren-Ausbau, Dezentralisierung, Demand Response, das EAG-Ziel 2030 – sprechen mittelfristig für einen langfristigen Abwärtstrend der Großhandelspreise. Wer Transparenz, Flexibilität und die direkte Teilhabe an Marktbewegungen schätzt, ist mit einem Spot-Tarif gut bedient. Wer absolute Planbarkeit braucht und keine Marktvolatilität verkraften will, ist mit einem Fixpreis-Tarif besser aufgehoben.

Ein Wort zur individuellen Beratung

Die konkrete Beurteilung – also die Frage, wo die Forward-Kurve heute exakt steht, welche Monate wie viel kosten, und wie das für Ihr spezifisches Verbrauchsprofil konkret aussieht – geht über eine allgemein informierende Webseite hinaus. Wenn Sie ernsthaft vergleichen wollen, sprechen Sie unser Beratungsteam an. Wir können Ihnen anhand aktueller EEX-Daten und Ihrem Verbrauchsprofil zeigen, welches Modell zu Ihrer Situation passt – ohne Verkaufsdruck.

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Häufige Fragen

Was bedeutet eine fallende Forward-Kurve für mich?
Eine fallende Forward-Kurve (Backwardation) bedeutet, dass der Markt für zukünftige Lieferungen niedrigere Preise erwartet als heute. Als Spot-Kunde folgen Sie dieser Entwicklung automatisch. Als Fixpreiskunde bleiben Sie bis zum Vertragsende beim alten, höheren Preis.
Ist ein Spot-Tarif auch bei steigenden Preisen sinnvoll?
Wenn die Preise kurzfristig steigen, tragen Spot-Kunden das mit. Die Flexibilität, Verbrauch in günstige Stunden zu verschieben (mit IME und steuerbaren Großverbrauchern), hilft trotzdem. Wer absolute Planbarkeit braucht, sollte dagegen einen Fixpreis wählen.
Wie lange dauert ein typischer Preiszyklus am Energiemarkt?
Typische Zyklen dauern wenige Monate bis mehrere Jahre. Saisonale Muster wiederholen sich oft jährlich (Winter teurer, Sommer günstiger), strukturelle Trends wie der Erneuerbaren-Ausbau wirken über Jahre. Genaue Vorhersagen sind nicht möglich, aber die Forward-Kurve gibt die Markterwartung wieder.
Was ist der Unterschied zwischen Spot- und Terminmarkt?
Der Spot-Markt (Day-Ahead) handelt Lieferungen für den Folgetag. Der Terminmarkt (Forward/Future) handelt Lieferungen für Monate oder Jahre im Voraus. Fixpreis-Tarife basieren auf dem Terminmarkt, Spot-Tarife auf dem Day-Ahead-Preis.
Woher weiß ich, ob gerade Contango oder Backwardation herrscht?
Die Forward-Kurve wird an der EEX (European Energy Exchange) veröffentlicht. Wer aktuell vergleichen will, kann die Settlement-Preise für die kommenden Monate ansehen. Für eine Einschätzung zu Ihrem konkreten Fall beraten wir Sie gerne persönlich – aktuelle Zahlen gehören in ein individuelles Gespräch.

Weiterführende Ratgeber