Der europäische Energiemarkt – Wie Strom in Europa gehandelt wird
Der Strom, der bei Ihnen zu Hause aus der Steckdose kommt, hat eine erstaunlich europäische Geschichte. Er stammt nicht nur aus Österreich – er stammt aus einem großen, eng verbundenen Netz, das sich von Portugal bis Polen erstreckt und in dem Erzeugung und Verbrauch in Echtzeit ausgeglichen werden müssen. Wer verstehen möchte, warum der Strompreis in Österreich auch davon abhängt, ob in Norddeutschland der Wind weht, muss einen Blick auf das europäische Verbundnetz und die dortigen Handelsstrukturen werfen.
Europa als Strom-Pool
Fast alle Länder Kontinentaleuropas sind in einem gemeinsamen, synchronen Verbundnetz zusammengeschaltet. Dieses Netz wird von der ENTSO-E koordiniert – dem europäischen Verband der Übertragungsnetzbetreiber. Er umfasst über 40 Übertragungsnetzbetreiber aus mehr als 35 Ländern. Innerhalb dieses Netzes fließt Strom physikalisch in der Sekunde, in der Angebot und Nachfrage sich verschieben.
Praktisch bedeutet das: Wenn in Norddeutschland ein Windpark plötzlich mehr erzeugt, weil der Wind auffrischt, fließt dieser zusätzliche Strom umgehend in Richtung Nachbarländer, sofern die Leitungskapazitäten es erlauben. Österreich profitiert von diesem Verbund, weil günstiger Strom aus anderen Ländern importiert werden kann – und umgekehrt.
Die 50-Hertz-Regel – Physik vor allem
Das europäische Verbundnetz läuft mit einer Netzfrequenz von exakt 50 Hertz. Diese Frequenz ist kein Zufall und kein beliebiger Standard, sondern eine direkte Folge der Physik: Die Generatoren in jedem Kraftwerk drehen sich mechanisch synchron. Wenn mehr Strom verbraucht wird als erzeugt, bremst diese Last die Generatoren leicht ab – die Frequenz sinkt. Wird mehr erzeugt als verbraucht, drehen die Generatoren minimal schneller – die Frequenz steigt.
Die Übertragungsnetzbetreiber gleichen diese Schwankungen in Echtzeit aus, indem sie Regelenergie abrufen. Das ist der technische Grund, warum Strom ein „Echtzeit-Produkt" ist: Er lässt sich nicht wie Gas oder Öl einfach lagern. Jede Kilowattstunde, die Sie verbrauchen, muss in exakt derselben Sekunde irgendwo in Europa erzeugt werden.
Preiszonen – warum der Strom nicht überall gleich viel kostet
Obwohl das Verbundnetz physikalisch durchgehend ist, gibt es in Europa unterschiedliche Preiszonen – auch Gebotszonen genannt. In einer Preiszone wird der Strompreis einheitlich gehandelt. Österreich bildet seit 1. Oktober 2018 eine eigene Preiszone (AT), getrennt von der bis dahin gemeinsamen Zone mit Deutschland. Der Grund für die Trennung: Die Leitungskapazitäten zwischen Österreich und Deutschland waren zu knapp, um den gesamten Großhandel ohne Engpässe abzuwickeln.
Preiszonen existieren immer dort, wo Netzengpässe zwischen Regionen den freien Stromfluss begrenzen. Innerhalb einer Zone kostet Strom überall gleich viel, weil die Leitungskapazitäten ausreichen. Zwischen Zonen kann der Preis stark abweichen, wenn die Grenzleitungen voll ausgelastet sind.
EPEX SPOT – die zentrale Handelsplattform
Die zentrale Börse für kurzfristigen Stromhandel in Mitteleuropa ist die EPEX SPOT mit Sitz in Paris. Sie betreibt zwei wichtige Handelssegmente:
- Day-Ahead-Markt: Tägliche Auktion um 12:00 CET für die Lieferung des nächsten Tages. Jede Stunde und jede Viertelstunde wird einzeln gehandelt. Das Ergebnis ist der Day-Ahead-Preis, der bei FlexPower Neo durchgereicht wird.
- Intraday-Markt: Kontinuierlicher Handel für kurzfristige Anpassungen. Wenn ein Windpark weniger liefert als erwartet oder ein Kraftwerk ausfällt, werden hier die Fehlmengen nachgehandelt.
Die Preise auf der EPEX SPOT sind öffentlich einsehbar – sowohl auf der Webseite der Börse selbst als auch auf der ENTSO-E Transparency Platform, die alle europäischen Markt- und Netzdaten sammelt.
Wie der österreichische Strompreis entsteht
In der österreichischen Gebotszone AT läuft jeden Tag die gleiche Auktion: Erzeuger geben Verkaufsgebote ab, Versorger und Großhändler Kaufgebote. Die Gebotszone importiert auch Kapazitäten aus und exportiert Strom nach Deutschland, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien und Italien – je nach Leitungsverfügbarkeit und Preisgefälle. Über das Merit-Order-Prinzip wird in jeder Viertelstunde der Grenzpreis bestimmt, den alle Erzeuger erhalten. Mehr dazu im Merit-Order-Ratgeber.
Grundlastfähigkeit – Warum Wasserkraft so wichtig ist
Ein oft unterschätzter Vorteil Österreichs ist der hohe Anteil grundlastfähiger erneuerbarer Energien. Grundlastfähig bedeutet: Die Kraftwerke können rund um die Uhr liefern, unabhängig vom Wetter. Wasserkraft ist genau so ein Fall. Wind- und Solaranlagen sind dagegen wetterabhängig – sie liefern nur, wenn die Bedingungen passen.
In der klassischen Denkweise wurde die Grundlast durch Kohle- und Kernkraftwerke abgedeckt. In Österreich übernimmt diesen Part seit Langem die Wasserkraft. Dazu kommen flexible Kraftwerke (Gasturbinen, Pumpspeicher), die den verbleibenden Bedarf decken, wenn die Wasserkraft nicht ausreicht oder die Nachfrage besonders hoch ist. Diese Mischung macht Österreich zu einem der Länder mit dem niedrigsten CO₂-Fußabdruck pro Kilowattstunde in Europa – und schafft gleichzeitig relative Preisstabilität im Grundlastbereich.
Warum der europäische Verbund für Spot-Kunden relevant ist
Wer FlexPower Neo nutzt, profitiert direkt von diesem europäischen Marktverbund. Wenn in Norddeutschland viel Windstrom erzeugt und über die Leitungen nach Süden verkauft wird, drückt das den Preis nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich. Wenn Frankreich nachts viel günstigen Kernstrom exportiert, wirkt sich das ebenfalls auf die Preiszone AT aus. Umgekehrt: Wenn in Mitteleuropa Dunkelflaute herrscht (wenig Wind, wenig Sonne im Winter), steigen die Preise in allen Gebotszonen gleichzeitig.
Diese Kopplung ist der Grund, warum der Day-Ahead-Preis in Österreich nicht nur von österreichischer Erzeugung abhängt, sondern von der Gesamtsituation im mitteleuropäischen Markt. Für Spot-Kunden ist das in der Summe ein Vorteil – sie profitieren von jedem günstigen Stromüberschuss irgendwo in Europa, sofern er über die Leitungen nach Österreich fließen kann.
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