Netzentgelte 2027 in Österreich: Was sich ändert – und wie Sie davon profitieren
Stand: 16. Oktober 2026 · Quelle: E-Control, Presseaussendung „Neue Regeln für die Energiewende“ vom 12.10.2026
Kurz erklärt
- ✔ Ab 1. Jänner 2027 zählt bei den Netzkosten nicht mehr nur, wie viel Strom Sie verbrauchen, sondern auch, wie viel gleichzeitig.
- ✔ Es gibt günstigere Zeitfenster: im Sommer mittags (SNAP), ab Oktober 2027 auch im Winter nachts (WiNAP).
- ✔ Wer seinen Verbrauch klug verteilt, kann seine Netzkosten aktiv beeinflussen.
Die E-Control spricht von der größten Reform des österreichischen Stromsystems seit Beginn der Liberalisierung. Ab 2027 gilt eine neue Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung (SNE-G-V). Sie betrifft rund vier Millionen Haushalte und kleine Gewerbebetriebe. Ziel ist, das Netz effizienter zu nutzen und Kosten fairer zu verteilen.
Was sind Netzentgelte überhaupt?
Ihre Stromrechnung besteht aus drei Teilen: dem Energiepreis (das ist der Strom selbst), den Netzentgelten (für Leitungen und Netzbetrieb) sowie Steuern und Abgaben. Die Netzentgelte legt nicht Ihr Stromlieferant fest, sondern sie werden von der E-Control geregelt und vom Netzbetreiber verrechnet – egal, bei welchem Anbieter Sie sind. Mehr dazu: So setzt sich der Strompreis zusammen.
Die 5 Änderungen ab 2027 im Überblick
1. Leistungspreis für alle Haushalte
Die Netzkosten bestehen künftig schrittweise zur Hälfte aus einem Leistungspreis. Maßgeblich ist Ihr höchster Viertelstunden-Leistungswert im Monat. Die Umstellung startet am 1. Jänner 2027 und ist für Haushalte spätestens bis 1. Juli 2028 abgeschlossen.
2. Sommer-Nieder-Arbeitspreis (SNAP)
Von 1. April bis 30. September ist der Netzarbeitspreis zwischen 10 und 16 Uhr um 20 % reduziert – also genau dann, wenn viel Sonnenstrom im Netz ist.
3. NEU: Winter-Nieder-Arbeitspreis (WiNAP)
Ab Oktober 2027 gibt es auch im Winter (1. Oktober bis 31. März) ein günstigeres Zeitfenster: von 23 bis 5 Uhr. Voraussetzung für SNAP und WiNAP: Ihr Smart Meter liefert Viertelstundenwerte.
4. Flexible Netznutzung
Der bisherige „unterbrechbare Tarif“ wird ersetzt. Sie können selbst festlegen, wie viel Leistung garantiert und wie viel flexibel sein soll – eine Einschränkung ist höchstens zweimal zwei Stunden pro Tag möglich.
5. Neues Netzanschlussentgelt – ohne Nachverrechnung
Bestehende Kundinnen und Kunden bekommen 10 kW netzwirksame Leistung zugeordnet. Höhere Werte aus 2026 werden nicht nachverrechnet.
Der Leistungspreis einfach erklärt
Stellen Sie sich zwei Haushalte vor, die im Monat genau gleich viel Strom verbrauchen. Der eine lässt Herd, Backrohr und Wallbox gleichzeitig laufen – dadurch entsteht eine hohe Spitze in einer einzigen Viertelstunde. Der andere verteilt dieselben Geräte über den Tag. Für das Netz ist der zweite Haushalt deutlich angenehmer – und künftig zeigt sich das auch bei den Netzkosten.
Schematische Darstellung.
So profitieren Sie
- Großverbraucher nacheinander statt gleichzeitig: Wallbox, Wärmepumpe, Herd und Waschmaschine nicht alle in derselben Viertelstunde.
- Günstige Zeitfenster nutzen: im Sommer zwischen 10 und 16 Uhr (SNAP), ab Oktober 2027 im Winter zwischen 23 und 5 Uhr (WiNAP) – etwa zum Laden des E-Autos.
- Smart Meter mit Viertelstundenwerten: Ohne Viertelstunden-Messung gibt es weder SNAP noch WiNAP. Wie das geht: Smart Meter IMS vs. IME.
- Doppelt profitieren mit einem Marktpreis-Tarif: Mittags ist oft auch der Strom selbst günstig. Wer mit dem Markt geht, nutzt günstige Zeiten beim Energiepreis und bei den Netzkosten.
Wer mehr zahlt, wenn er nicht darauf achtet
Künftig können vor allem jene höhere Netzkosten haben, die regelmäßig viele leistungsstarke Geräte gleichzeitig betreiben – zum Beispiel E-Auto mit hoher Ladeleistung, Durchlauferhitzer, Wärmepumpe und Herd in derselben Viertelstunde. Wer nicht darauf achtet, wann er verbraucht, verschenkt außerdem die günstigeren Zeitfenster.
Zur Einordnung: Laut E-Control sind für durchschnittliche Einfamilienhäuser keine gravierenden Veränderungen zu erwarten. Die E-Control dazu: „Wer hohe Leistungsspitzen vermeidet oder Verbrauch zeitlich verschiebt, kann seine Netzkosten aktiv beeinflussen.“
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